Steißbeinfistel | Chirurgische Praxisklinik Landshut |

Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis, Pilonidalzyste)

Als ursächlich für die Ausbildung einer Steißbeinfistel werden einwachsende Haarfollikel (Haarnest) oder Haarbildungsstörungen mit der Ablagerung von Keratin in das Unterhautgewebe der Gesäßfalte (Rima ani) gesehen. Durch die Verlagerung von Haaranteilen unter die Haut kommt es zu einer chronischen Reizung des umgebenden Gewebes. Man unterscheidet die akute und chronische Verlaufsform. Die Erkrankung betrifft häufiger behaarte Männer als Frauen. Die Erkrankung wurde früher auch als Jeep`s disease bezeichnet, da sie häufig bei männlichen Soldaten auftrat.

SYMPTOME:

Chronische Verlaufsform: Durch die chronische Reizung des Gewebes kommt es zur Bildung von Flüssigkeit, die sich einen Weg zur Oberfläche sucht. Es bilden sich sogenannte Pori, stecknadelkopfgroße Öffnungen in der Gesäßfalte aus, aus denen Flüssigkeit austreten kann. Daher geben Patienten und Patientinnen Verschmutzungen in der Unterwäsche und Nässen an. Schmerzen treten bei ungehindertem Abfluss normalerweise nicht auf.

Akute Verlaufsform: Als primärer Verlauf oder sekundär bei Verschluss der Pori entsteht eine akute Entzündung mit Abszessbildung im Bereich der Gesäßfalte. Dadurch kommt es zu einer zunehmenden entzündlichen Schwellung, Rötung und erheblichen Schmerzen in der Gesäßfalte.

DIAGNOSTIK:

Die einfache klinische Untersuchung der Gesäßfalte führt bereits zur richtigen Diagnose. In der akuten Form ist der Abszess als deutliche schmerzhafte Vorwölbung zu sehen und zu tasten Bei der chronischen Form sieht man einen oder mehrere Pori (Fistelausgänge), die man auch sondieren kann. Auf Druck entleert sich häufig etwas Sekret.

THERAPIE:

Im Falle eines Steißbeinabszesses ist die unmittelbare Entlastung durch Inzision (Einschneiden) und Entlastung des Abszesses nötig. Nur selten ist hierfür eine Vollnarkose notwendig. Je nach Ausdehnung des Befundes wird die Wunde einfach offen gelassen, um ausreichend Abfluss zu gewährleisten, bei ausgedehnten Befunden wird ein Vakuumverband angelegt, um die Heilung zu beschleunigen. Nach der Entlastung klingt die Entzündung meist rasch ab, die antibiotische Behandlung ist fast nie notwendig.

Nach Abklingen der akuten Entzündung ist allerdings die Beseitigung der Ursache, also des Haarnests unumgänglich, um ein Wiederauftreten zu verhindern (s.u.). Im Falle einer Steißbeinfistel ohne Entzündung kann bereits initial die vollständige Entfernung des Haarnests durchgeführt werden. Dabei werden die Fistelgänge mit einem Farbstoff angefärbt und das Gewebe großzügig bis zum Kreuz-/Steißbein entfernt. Die Wahl des optimalen Operationsverfahrens wird von uns individuell entsprechend Ihrer Bedürfnisse festgelegt und ausführlich mit Ihnen bereits bei der Planung des Eingriffs besprochen.

Die klassische Entfernung des Befundes mit primärer Naht in der Mittellinie wird von uns aufgrund der hohen Rate an Wundheilungsstörungen und störender Narbenbildung in der Gesäßfalte kaum noch durchgeführt. Wir bevorzugen plastische Operationsverfahren, die die Narbe aus der Gesäßfalte verlagern, z.B. die Rekonstruktion nach Karydakis. Allerdings kann es leider nicht selten insbesondere bei Wiederauftreten der Erkrankung notwendig werden eine offene Wundbehandlung, z.B. mit Vacuumtherapie durchzuführen.