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Hernienarten

Nabelhernie

Unter einer Nabelhernie oder Nabelbruch versteht man eine Vorwölbung des Nabels meist mit Vorfall von Bauchfett oder Darmanteilen, meistens Dünndarm. Beim Betasten des vorgewölbten Nabels kann mann am Nabelgrund meist eine kleine Bruchlücke tasten.

Ein Nabelbruch ist bei Säuglingen angeboren und bildet sich meist selbstständig zurück. Ebenso tritt ein Nabelbruch regelhaft in der fortgeschrittenen Schwangerschaft auf und bedarf bei fehlenden Beschwerden keiner weiteren Therapie, da er sich nach Geburt oftmals spontan zurückbildet. Eine Therapie ist in oder nach der Schwangerschaft nur bei Fortbestehen oder bei Beschwerden notwendig. Die Operation einer Nabelhernie wird meist als ambulanter Eingriff durchgeführt. Es stehen offene oder laparoskopische (Schlüssellochtechnik) Techniken zur Verfügung.

Leistenhernie

Unter einer Leistenhernie oder einem Leistenbruch versteht man die Vorwölbung von Baucheingeweiden durch den inneren oder äußeren Leistenring. Durch den inneren und äußeren Leistenring tritt physiologischerweise bei Männern der Samenstrang (Blutgefäße und Samenleiter) von innen durch die Bauchdecke in den Hoden, bei Frauen ein Aufhängeband der Gebärmutter. Insgesamt tritt ein Leistenbruch bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen auf. Je nach genauer Lokalisation unterscheidet man zwischen medialen (innen liegenden), lateralen (außen liegenden) oder kombinierten (beide Bruchformen gleichzeitig) Hernien. Zudem unterscheidet man zwischen angeborenen und erworbenen Leistenbrüchen. Bei etwa 20% der Patienten mit einer Leistenhernie ist die andere Seite ebenfalls betroffen. Für die operative Versorgung stehen zahlreiche offene und laparoskopische (Schlüssellochtechnik) Verfahren mit und ohne Netz zur Verfügung. Die Auswahl des richtigen Verfahrens hängt von verschiedenen individuellen Faktoren, z. B. Alter, Konstitution, Beruf, Sport u.ä. ab. Daher ist eine eingehende Untersuchung und Beratung vor dem Eingriff sinnvoll und notwendig.

Schenkelhernie oder Femoralhernie

Unter einer Schenkelhernie versteht man die Vorwölbung von Baucheingeweiden durch eine Lücke an den großen Beingefäßen. Die Schenkelhernien sind meist schmerzhafter als Leistenhernien und klemmen häufiger ein. Diese Bruchform kommt im Gegensatz zum Leistenbruch häufiger bei Frauen vor. Schenkelhernien sind zumeist nicht reponibel, d.h. der Bruchsackinhalt läßt sich nicht mehr in den Bauchraum verlagern. Bei jeder unterhalb des Leistenbandes tastbaren Schwellung sollte eine Schenkelhernie ausgeschlossen werden. Zusätzlich können Schmerzen im Schambereich erstes Symptom einer Schenkelhernie sein auch ohne sichtbaren oder tastbaren Befund. Diese Brüche werden häufig übersehen oder erst spät festgestellt. Die operative Versorgung kann konventionell mittels Schnitt mit und ohne Netz oder laparoskopisch (Schlüssellochtechnik) erfolgen.

Narbenhernie

Unter einem Narbenbruch versteht man die Vorwölbung von Baucheingeweiden im Bereich einer Narbe. Die Ursache sind Narben nach Operationen, da unabhängig von Operation oder Nahttechnik Narben zurückbleiben, welche nicht die Stabilität des unverletzten Gewebes aufweisen. Narbenhernien können nach jeder Operation im Bauchraum auftreten, sind jedoch bei offenen Operationen, z.B: größeren Darmeingriffen deutlich häufiger als nach Operationen in Schlüssellochtechnik. Sehr häufig kommen sie nach Bauchfellentzündung, sekundärer Wundheilung (offener Wundbehandlung), mehrfachen Operationen aber auch bei Übergewicht, chronischer Bronchitis und anderen Erkrankungen vor. Narbenbrüche sollten regelhaft operativ versorgt werden. Die alleinige Naht des Bruches reicht aufgrund mangelnder Stabilität des körpereigenen Gewebes jedoch nicht aus, der Bruch muss immer mit einem Netz verstärkt werden. Dabei ist es wichtig unabhängig von der eigentlichen Bruchgröße die gesamte Narbe durch das Netz zu verstärken, da es bei zu kleinen Netzen zu erneuten Brüchen im unverstärkten Narbenbereich kommen kann.

Je nach Größe und Lage des Bruches ist die operative Versorgung sehr anspruchsvoll und sollte unbedingt von einem Team mit entsprechender Expertise unter stationären Bedingungen durchgeführt werden.

Rezidivhernie

Unter einer Rezidivhernie versteht man das Wiederauftreten eines Bruches nach operativer Versorgung. Rezidivhernien können prinzipiell nach allen Operationsverfahren auftreten, kommen jedoch um ein Vielfaches öfter nach Operationen ohne Netzverstärkung, d.h. primären Nahtverfahren vor. Die aktuellen Leitlinien der IEHS (International Endohernia Society) empfehlen daher im Regelfall bereits primär die Verstärkung der Bruchlücke mit einem ausreichend großen Kunststoffnetz. Im Regelfall wird die Operation durch bestehende Verwachsungen der Vor-Operation erschwert. Das geeignete Verfahren zur Versorgung erneuter Brüche hängt maßgeblich von den individuellen Risikofaktoren und den vorangegangenen Operationsverfahren ab. Diese Brüche sollten nach eingehender Anamnese und Untersuchung von ausschließlich von erfahrenen Hernienoperateuren versorgt werden.

Sportlerleiste/Sportsman Hernia

Die Symptome der sog. Sportlerleiste reichen von leichten wiederkehrenden Beschwerden in der Leistengegend bis hin zu starken oftmals chronischen über Monate anhaltende Schmerzen mit der Notwendigkeit jegliches sportliches Training abzubrechen. Oftmals Treten die Beschwerden langsam v.a. nach sportlicher Betätigung auf, werden durch intensives Training verstärkt und nehmen nur bei Sportkarenz ab.

Zu den möglichen Ursachen zählen:

  • Muskelfaserrisse oder Zerrungen der Oberschenkel-, Hüftbeuge- oder Bauchmuskulatur
  • Zerrung der Adduktoren-Muskulatur mit chronischen Schmerzen an ihren Ansätzen am Schambeinknochen
  • Überlastung, Entzündung oder Knorpelschäden im Hüftgelenk
  • Nervenreizungen mit Ausstrahlung in die Leiste bei Problemen an der Wirbelsäule
  • Krankhafte Veränderungen im Genitalbereich beim männlichen Sportler
  • Lymphknotenschwellung aufgrund von Entzündungen oder Geschwülsten
  • Typische Leistenbrüche oder eine Schwäche der Leistenkanalhinterwand
  • Nervenreizungen im Leistenbereich (nerve entrapment)

Eine vollständige Aufzählung der zugrundeliegenden Diagnosen und Ursachen ist hier nicht möglich. Bei chronischen Leistenbeschwerden ist daher die eingehende Anamnese und klinische Untersuchung mit differenzierter apparativer Diagnostik notwendig. Routinemäßig findet hier die Sonografie (Ultraschalldiagnostik) und ggf. die MRT (Kernspintomografie) bei unklaren Befunden Anwendung. Zusätzlich ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Orthopäden und Sportmedizinern sowie den behandelnden Hausärzten unabdingbar. Auch andere medizinische Fachrichtungen müssen im Bedarfsfall zur weiteren Abklärung hinzugezogen werden. Oftmals kann eine operative Therapie durch eine zielgerichtete Physiotherapie (Krankengymnastik) und lokale Maßnahmen vermieden werden.